Digital Natives: Wie das Internet ganze Generationen verändert

Bild 1: #234254787 | Urheber: Robert Kneschke „Digital Natives“, die sogenannten „digitalen Ureinwohner“

Bild 2: #220695173 | Urheber: De Visu Generation Z: Kindheit zwischen Smartphone, Spielekonsole & Co

​​​​​​​Was noch vor wenigen Jahrzehnten nach Science Fiction klang, ist mittlerweile zum ganz normalen Alltag geworden: Beinahe die ganze Welt ist über das Internet vernetzt.

Computer, Smartphones und Tablets sind in fast jedem Haushalt in Deutschland zu finden. Die Jugendlichen senden sich in Sekundenschnelle Nachrichten oder kommunizieren mittels Videotelefonie. Was für viele ältere Menschen nach wie vor eine ganz neue und oftmals verwirrende Welt ist, kennen die sogenannten „Digital Natives“ gar nicht mehr anders.

Definition: Was sind eigentlich „Digital Natives“?

Hinter diesem Begriff, den gewiss die meisten Menschen schon einmal gehört haben, steckt eine gewisse Generationenbezeichnung. „Digital Natives“, die sogenannten „digitalen Ureinwohner“, werden also jene jungen Leute genannt, welche mit den digitalen Medien aufgewachsen sind. Auch der Name „Generation Internet“ wird gerne verwendet, allerdings handelt es sich eben nicht nur um eine, sondern gleich um mehrere Generationen – und vermutlich alle folgenden. Jedes Kind, welches also in den letzten zehn bis 30 Jahren geboren wurde beziehungsweise fortan geboren wird, zählt zu den „Digital Natives“. Auch wenn die Generation 50 Plus längst Gebrauch von der Digitalisierung machen, ist die Generation Internet mit eben dieser Technologie von klein auf vertraut.

Was sie von den anderen Generationen unterscheidet, ist: Sie haben Smartphones, Spielekonsolen, Social Media und das Internet im Gesamten bereits in ihrer Kindheit kennengelernt und beherrschen angeblich den versierten Umgang mit digitalen Technologien. Für sie ist die eigentlich noch neue digitale Welt also ganz normal. Demgegenüber mussten die sogenannten „Digital Immigrants“, welche mit all diesen Dingen erst im Erwachsenenalter in Berührung gekommen sind, den Umgang mit den neuen digitalen Möglichkeiten häufig erst lernen. Sie sind somit noch in einer nicht digitalisierten Welt aufgewachsen und genau diese Frage beschäftigt seither die Wissenschaftler: Inwiefern sind die „Digital Natives“ anders, weil sie bereits in ihrer Kindheit mit den digitalen Technologien gelebt und gelernt haben?

„Native“ oder „Immigrant“ – gibt es überhaupt Unterschiede?

Von „Digital Natives“ wird gemeinhin erwartet, dass diese einen versierten Umgang mit den neuen Medien und dem Internet haben. Zudem wird immer wieder behauptet, sie könnten gar nicht mehr ohne diese Technologien leben und seien sozusagen abhängig von diesen. Das ist allerdings ein Irrtum, denn im Jahr 2013 waren nur rund 30 Prozent der Weltbevölkerung im Alter bis 24 mehr als fünf Jahre im Internet. Und auch, wer erst jetzt geboren wird, kommt nicht zwingend in jungen Jahren mit Smartphones, Online-Games & Co in Berührung. Schließlich befürchten die Eltern einen negativen Einfluss auf die Entwicklung des Kindes und gerade im Internet lauern bekanntlich auch viele Gefahren. Es kann also nicht zwingend davon ausgegangen werden, dass „Digital Natives“ mit sämtlichen digitalen Technologien sowie bereits im Kindes- und Jugendalter versiert umgehen können.

Unterschiede gibt es dennoch, denn die reine Existenz dieser Technologien hat die Welt verändert und somit wachsen die „digitalen Ureinwohner“ in anderen Strukturen auf als noch die Generationen vor ihnen. Die Welt ist schnelllebiger geworden, die Informationen komplexer, das Arbeiten parallel. Alles ist vernetzt und geht viel rasanter als noch vor wenigen Jahren – die Informationsbeschaffung über Suchmaschinen beispielsweise oder die Kommunikation über den gesamten Globus hinweg. Was aber genau zeichnet die „Digital Natives“ aus, sprich was ist bei ihnen anders als noch bei der Generation X oder den Babyboomers?

Generation Z: Kindheit zwischen Smartphone, Spielekonsole & Co

Mit dieser Frage haben sich auch die Wissenschaftler von Bitkom Research in ihrer Studie „Kinder und Jugend in der digitalen Welt“ auseinandergesetzt. Dabei haben sie sich vor allem auf die Generation Z konzentriert – also jene Kinder, welche zwischen 1997 und 2012 geboren wurden – denn sie sind die erste Generation, welche von Kindesbeinen an mit dem Internet in Berührung gekommen ist. Die Vertreter aus der Generation Y waren zu diesem Zeitpunkt hingegen bereits im Jugendalter. Tatsächlich kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass nur wenige Kinder unter zehn Jahren regelmäßig ein Smartphone beziehungsweise das Internet über andere Medien nutzen. In der Regel besitzen sie zudem noch keine eigenen Geräte.

Mit dem zehnten Geburtstag ändert sich das aber in vielen Fällen und plötzlich haben 67 Prozent der Kinder und Jugendlichen über zehn Jahren ein eigenes Smartphone, eventuell auch noch eine Spielekonsole, einen Laptop oder andere digitale Medien zur Verfügung. Bei den 16- bis 18-Jährigen sind es sogar 94 Prozent. Was die Wissenschaftler bei den Ergebnissen besonders alarmierend empfunden haben, war die Aussage, dass sich jedes zweite Kind ein Leben ohne diese digitalen Technologien überhaupt nicht mehr vorstellen kann.

Die „Digital Natives“ und ihre Besonderheiten im Fokus

Auffallend ist, dass bei den „Digital Natives“ durch die frühe Nutzung der digitalen Technologien die Denk- und Lernweise grundlegend anders ist als noch bei anderen Generationen. Sie haben von Kindesbeinen an gelernt, Informationen sehr schnell zu empfangen und zu verarbeiten. Gleichzeitig steigt durch die digitalen Medien das Multitasking. Die „digitalen Ureinwohner“ neigen also zum parallelen Arbeiten – was nicht unbedingt einen Vorteil bedeutet. Weiterhin bevorzugen sie Bilder und Videos zum Lernen, anstelle von reinem Text. Noch besser finden sie es, spielerisch zu lernen, beispielsweise mittels Gamification. Entertainment wird bei den digitalen Generationen also großgeschrieben. Im Bereich der Bildung, aber auch für die zukünftigen Arbeitgeber der „Digital Natives“, machen diese Besonderheiten ein Umdenken notwendig.

Im privaten Lebensbereich ticken die „Digital Natives“ ebenfalls anders als vorherige Generationen. Die digitalen Medien prägen zu großen Teilen ihre Freizeitgestaltung sowie Interaktion mit der sogenannten „Peer Group“, sprich den Gleichaltrigen. Besonders ab zehn Jahren sowie im Jugendalter verbringen sie viel Zeit mit Smartphones, Spielekonsolen, Social Media, WhatsApp & Co. Zudem haben sie den Anspruch, online immer mehr Möglichkeiten geboten zu bekommen. Während die „Digital Immigrants“ Dinge wie Kleidung oder Elektronik beispielsweise nach wie vor gerne im Einzelhandel kaufen, bevorzugen die „digitalen Ureinwohner“ den E-Commerce. Kein Wunder, dass dieser einen regelrechten Boom erlebt und sogar Lebensmittel immer häufiger online bestellt werden.

Ausblick: Sogar der Sport wird immer digitaler

Doch auch andere Branchen erleben einen solchen Boom im Online-Bereich, beispielsweise der Sport. Spätestens seit der Legalisierung der Sportwetten bei entsprechend lizenzierten Online-Anbietern in Deutschland spielt der Sport zunehmend auch digital eine Rolle. Viele Fußballfans wollen beispielsweise nicht mehr nur die Spiele ihrer Mannschaften verfolgen, sondern spekulieren, wer gewinnt, wann die Tore fallen, wer der Schütze sein wird oder wer den Titel bei der Frauen-Weltmeisterschaft holt. Auch hierbei steht also das Entertainment im Vordergrund.

Viele „Digital Natives“ sehen sich die Spiele zudem nicht mehr klassisch im TV an, sondern online mittels Livestream. Und sogar der Sport selbst wird immer digitaler. Die sogenannten E-Sports sind zum neuen Massenphänomen geworden, sprich Millionen von Menschen sehen Gamern per Stream oder im Fernsehen dabei zu, wie sie in verschiedenen Online-Spielen gegeneinander antreten. Ein Markt, der bereits jetzt mehr als eine Milliarde US-Dollar Umsatz pro Jahr einspielt – Tendenz steigend.

Fazit: Eine Generation voller Internetsüchtiger?

Ob im Zuge der Digitalisierung also Generationen heranwachsen, für welche sich die Welt irgendwann nur noch digital abspielt, die internetsüchtige Kinder hervorbringt und durch Bewegungsmangel gekennzeichnet ist, bleibt abzuwarten. Zwar wird das Internet ohne Zweifel weiterhin an Bedeutung gewinnen. Dennoch ist bereits jetzt auch ein Gegentrend zu beobachten. Die Eltern der „Digital Natives“ halten ihre Kinder oft bewusst so lange wie möglich von den digitalen Medien fern und viele Vertreter der Generation Y und Z entscheiden sich wieder gegen die Nutzung von Social Media. Sie schalten häufiger ihr Smartphone aus und gestalten ihre Freizeit vermehrt abseits der digitalen Welt.

Wann beziehungsweise ob die „Digitalen Ureinwohner“ also ein gesundes Mittelmaß finden werden und wie dieses aussehen wird, lässt sich zum Stand heute noch nicht sagen. Fakt ist aber, dass ihre Welt vom Internet geprägt sein wird und sie daher schon in jungen Jahren den Umgang mit Smartphone, Laptop & Co erlernen sollten – um später in der Schule sowie im Berufsleben keine Probleme zu bekommen. Ganz ohne digitale Medien geht es eben in absehbarer Zukunft doch nicht mehr…!