So haben sich Spiele verändert

Die Spielewelt hat sich verändert.

Viele Spiele existieren in althergebrachter aber digitaler Form. (www.shutterstock.com/image-illustration/roulette-table-mobile-phone-126015707?src=tIH9ElLBDCyOy-ipY1PthQ-1-76)

Auch bei den über 65-Jährigen greift heute jeder Achte zum Computer, Smartphone oder der Gamingkonsole.

Heutige Generationen wachsen mit blitzschneller Verarbeitungsgeschwindigkeit und kristallklarer Grafik, beim Spielen auf der Xbox und Playstation auf. Da vergisst man leicht, das noch vor 50 Jahren, digitale Spiele nur in wenigen Laboren rund um die Welt existiert hat.

Seitdem hat sich in der Spielewelt zwar einiges verändert – vor allem die fast allgegenwärtige Digitalisierung prägt auch die Freizeitwelt wie kein zweiter Faktor -, aber die Grundzüge sind noch immer die Gleichen wie seit Generationen. Nur Formen und Varianten entwickeln sich weiter.

Rund 80 Prozent der Deutschen spielen in ihrer Freizeit. Dabei reicht das Spektrum von klassischen Karten-, Würfel- und Brettspielen über Spiele auf dem PC und der Konsole bis hin zum Browsergame auf dem Smartphone. Je jünger die Spieler sind, desto häufiger entscheiden sie sich für digitale Varianten. Das heißt allerdings noch lange nicht, dass Teenager und junge Erwachsene die traditionellen Varianten verschmähen oder dass die älteren Generationen nicht auch auf dem PC oder Tablet spielen.

Dazu trägt auch bei, dass viele Spiele inzwischen in althergebrachter, aber auch digitaler Form existieren. Schach, Solitaire und Backgammon, sind beliebt in beiden Formen, wobei die Anzahl der Anhänger des digitalen Spielens steigt. Auch im Bereich der Casinospiele greifen Fans immer öfter auf online Varianten zurück. Die Möglichkeit online gegen künstliche Intelligenz zu spielen gibt Poker, Roulette, Blackjack und co., ganz neue Spielealternativen. Anstelle des Zufallsgenerators, kann auch live gegen eine echte Person gespielt werden. Dies bringt einen gewissen sozialen Aspekt mit in das Spiel und es können zudem weltweit Freundschaften geknüpft werden.

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Neu hinzu gekommen sind auch gerade in den letzten 10 bis 15 Jahren aufwändige Videospiele, die ohne die Weiterentwicklung im Bereich der Computer so nicht existieren würden. Rund 30 Millionen Deutsche verbingen einen Teil ihrer Mußestunden mit „Sims“, „World of Warcraft“, „FIFA“, „Anno 1404“, „Super Mario“, Online-Bingo, Online-Black Jack und mehr. Dabei sind die Altersgrenzen längst gefallen. Rund vier Prozent der damaligen Jugend haben sich in den 70er Jahren mit den ersten, gerade aufkommenden Konsolen- und Videospielen beschäftigt. Fast 50 Jahre später sind die Games erwachsen geworden und die frühen Videospiel-Zocker im mittleren Alter. Aus den vier Prozent sind inzwischen in dieser Generation rund 24 Prozent geworden, und bei den über 65-Jährigen greift mittlerweile rund jeder Achte zum Computer, Smartphone oder der Gamingkonsole.

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Auch die Geschlechtertrennung existiert nicht mehr. Waren es früher fast ausschließlich Jungs, die Pong und Space Invader spielten, so sind es heute rund 43 Prozent der deutschen Männer und 42 Prozent der Frauen, die an Videospielen aller Art Vergnügen finden.

Außer dem Spaßeffekt haben die Spiele auch noch andere Vorteile gerade im zunehmenden Alter. Gemeinsames spielen fördert die Kommunikation und den Zusammenhalt und beugt dadurch Einsamkeit vor. Ob im Kreise von Freunden Skat gespielt wird, mit dem besten Kumpel das Damebrett aufgestellt wird oder sich drei Generationen einer Familie beim Mensch-ärgere-Dich-Nicht (immer noch eines der beliebtesten Spiele in Deutschland) amüsieren, das gemeinsame Erlebnis macht den Unterschied. Hinzu kommt der Einsatz von grauen Zellen, der längerfristig helfen kann, das Gedächtnis jung zu halten.

Spiele am Computer oder der Konsole sind von Natur aus eher etwas fürs stille Kämmerlein, aber das Hirn trainieren auch sie. Und wer online mit anderen spielt, selbst wenn das per Avatar im Multi-Player Fantasy-Universum oder am Kartentisch ist, der kommuniziert ebenfalls mit anderen, wenn auch nicht von Angesicht zu Angesicht.

Der im Kindesalter meist aktiv geförderte Spieltrieb wird mit zunehmendem Alter häufig vernachlässigt. Dabei ist die Beschäftigung mit etwas, das das Loslösen vom Alltag, Spannung und Entspannung, Abwechslung und Gelächter bedeuten kann für jeden wichtig. Zwar geht es dann nicht mehr darum, motorische Fähigkeiten zu entwickeln, soziales Verhalten oder Regeln zu erlernen, aber eine Auszeit ohne Sorgen und Verpflichtungen ist nie verkehrt. Die Rückbesinnung auf Kindheit und Jugend, die Förderung von Kreativität und Leichtigkeit haben auch positive Effekte auf die Gesundheit.

Digitale Spiele wurden erstmals 2008 vom Deutschen Kulturrat als Kulturgut anerkannt, und kurz danach wurde der Deutsche Computerspielpreis initiiert. Das seit 2010 bestehende Computerspielmuseum in Berlin ist nicht nur ein Paradies für Gamer, sondern auch ein greifbarer Beweis dafür, welche Bedeutung Computerspiele aller Art inzwischen im Bereich der Freizeitgestaltung gewonnen haben. Ein besonderes Augenmerk wird in Deutschland auch auf die Entwicklung von pädagogisch und kulturell wertvollen Spielen gerichtet.

Das Gütesiegel „pädagogisch wertvoll“ haben in den vergangenen Jahren unter anderem Minecraft (eine Art Lego in einer digitalen Welt), die Anno-Reihe (beschäftigt sich mit einer geschichtlichen Epoche der Vergangenheit, aber auch der Zukunft. welche strategisches Denken sowie das Verstehen von politischen und wirtschaftlichen Zusammenhängen erfordert), und die Sims (erschaffen von Lebensräume) erhalten.

Denkspiele, Rollenspiele, Simulationen – den Genres sind ebeso wenig Grenzen gesetzt wie dem Alter. Nur weil ein Spieler mit Halma und Mikado groß geworden ist, heißt das noch lange nicht, dass er auf Suchen nach magischen Elixieren und Gefechten mit Monstern verzichten muss – genauso wenig, wie das Aufwachsen in der digitalen Welt das Vergnügen an einer Runde Monopoly im Kreis der Familie ausschließt.