AUTOFAHREN

Senioren am Pranger

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Wird vom Staat an den Pranger gestellt, wenn er sich nicht meldet.

Rund 30 Autofahrer werden vom Kanton öffentlich aufgefordert, ein medizinisches Gutachten beim Strassenverkehrsamt einzureichen. Versäumen sie dies, wird der Führerausweis entzogen. Ihre Namen werden im "Amtsblatt des Kantons St. Gallen" öffentlich angeprangert, schreibt Sophie Probst im "St.Galler Tagblatt".

Kuriose Meldung im aktuellen Amtsblatt des Kantons St. Gallen: 31 Personen werden mit Namen und Geburtsdatum aufgeführt, weil sie sich verkehrsmedizinisch untersuchen lassen müssen.

Die Personen im Alter zwischen 70 und 73 Jahren sollen bis am 14. Juli beim Strassenverkehrsamt ein Gutachten ihres Arztes vorweisen, welches ihnen bescheinigt, keine Gefahr für den Strassenverkehr zu sein. Ansonsten wird ihnen der Führerausweis entzogen.

Eine solche Publikation ist nichts Neues: Bisher wurden auf diese Weise rund 90 Personen zu einer Untersuchung aufgefordert. Etwa 400 weitere sollen folgen, sagt Kurt Häne, Leiter Massnahmen des Strassenverkehrsamtes St. Gallen.

"Der Grund dafür ist, dass diese Personen auf anderem Weg nicht kontaktierbar sind." Es würden keine aktuellen Adressangaben existieren, Aufforderungen von der Post ans Amt zurückgeschickt. Eine Publikation sei laut Häne die letzte Möglichkeit, genannte Personen zu erreichen.

"Wir müssen davon ausgehen, dass sich einige dieser Autolenker, obwohl sie im Kanton St. Gallen angemeldet sind, im Ausland befinden, sich der medizinischen Kontrolle entziehen und mit einem Schweizer Führerausweis Auto fahren", begründet Kurt Häne das rigorose Vorgehen.

Ursache für die Unauffindbarkeit der Autofahrer sei unter anderem unabgemeldetes Auswandern. In einigen Ländern dürften Personen im Besitz des Schweizer Führerausweises weiterfahren ohne ihn umzutauschen. Sie würden also auch fahren, wenn dieser hierzulande nicht mehr gültig sei.

Deshalb gehe es bei der Massnahme nicht nur um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer in der Schweiz, sondern auch jener im Ausland, sagt Häne. "Natürlich kann es auch sein, dass die Personen beispielsweise verschollen sind oder sich aus Nachlässigkeit nicht beim Einwohnermeldeamt abgemeldet haben."

Doch auch für solche Fälle ist es nach dem 14. Juli zu spät: Der Führerausweis wird entzogen. Generell gilt: Autolenker, welche älter als 70 Jahre sind, müssen sich alle zwei Jahre einer medizinischen Abklärung unterziehen.

Doch nicht nur ältere Autofahrer werden geprüft. So müssen beispielsweise Lenker von Lastwagen oder Cars bis zu einem Alter von 50 Jahren alle fünf Jahre ein Arztzeugnis vorlegen, die 50- bis 70-Jährigen alle drei Jahre.

Wird es Zeit für eine Abklärung, sendet das Strassenverkehrsamt eine Aufforderung. Geprüft wird in einem einfachen Test, der vom Hausarzt durchgeführt werden kann, vor allem der Seh- und Hörsinn sowie Koordination und Beweglichkeit der Autofahrer. Zudem wird abgeklärt, ob allfällige Krankheiten die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen könnten.

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