Als Leih-Omi nach Mallorca reisen

Die zweijährige Ada testet ihr Gleichgewicht auf der Wackelhängebrücke, während ihr dreijähriger Bruder Noah die Tauben jagt.
Leih-Omas sind die besseren Aupairs.
Leih-Omas sind die besseren Aupairs.

Renate Straube muss beide im Blick haben. Das Au-pair ist 66 Jahre alt. Ein sogenanntes "Granny-Au-pair“, schreibt Dorothee Kammel auf «mallorcamagazin.com».

Bei Au-pair denken die meisten an junge Frauen, die die Zeit nach der Schule bis zur Ausbildung oder dem Studium überbrücken möchten. Das Projekt "junge Frau hilft junger Familie" kann gut gehen. Häufig aber endet das Ganze mit Tränen und einem Rückfahrtticket in die Heimat.

Auch Levis Lara hat so ihre Erfahrungen gemacht. Die alleinerziehende Mutter aus der Dominikanischen Republik betreibt seit vielen Jahren ein eigenes Café in Palmas Viertel Lonja. Sie braucht verlässliche Unterstützung. Au-pairs, die nachts nach langer Feierei nach Hause torkeln und der ganzen Situation nicht gewachsen sind, das macht ihr mehr Arbeit, als es eine Hilfe ist.

Eine junge Finnin musste vorzeitig abreisen. "Ich habe mit ihrem Vater gesprochen und ihm gesagt, es tut mir sehr leid, aber ihre Tochter entspricht nicht dem Profil und kann keine zwei kleinen Kinder betreuen." Sie hat sich daher entschieden, nur noch erfahrene Frauen zu suchen.

Auf der anderen Seite gibt es immer mehr fitte ältere Menschen, fast ausschliesslich Frauen in Rente, die noch einmal aus dem Alltag ausbrechen und ein neues Land und dessen Kultur entdecken möchten. Gastmutter Levis ist begeistert von der Granny-Au-pair-Idee. "Für mich ist das super und es ist für beide Seiten eine sehr gute Sache."

"Viele der Frauen bringen ihre sozialen Kompetenzen mit", sagt Michaela Hansen, Gründerin einer Agentur für Granny Au-pairs in Hamburg. Die Jüngsten seien Ende 40, nach oben gibt es offiziell keine Altersbegrenzung, aber eine gewisse Belastbarkeit muss sein. Viele der Frauen sind gut ausgebildet und haben in den meisten Fällen selbst Kinder grossgezogen und eigene Enkelkinder.

Ein Schicksalsschlag oder ein starker Wechsel im Leben führt bei einigen dazu, etwas zu verändern und den Wunsch, ins Ausland zu gehen, zu verwirklichen. Renate Straube aus Solingen passt in dieses Profil. Sie ist 66 Jahre alt und war im Vertrieb im Pharmazieaussenhandel viel unterwegs. Vor drei Jahren sah sie eine Sendung über Granny Au-pairs im Fernsehen und war sofort angetan.

"Das mache ich, sobald ich in Rente bin. Später traue ich mich vielleicht nicht mehr." Sie selbst hat keine Kinder, ist aber die Älteste einer grossen Familie und hat das Kinderhüten von der Pike auf gelernt. Über das Goetheinstitut erfuhr sie von der Agentur Au-pair 50 Plus und erstellte ihr Profil. Alter, Hobbys, (früherer) Beruf, Wunschland und persönliche Informationen zu sich konnte sie dort angeben.

Man zahlt einmalig 49 Euro und erhält den sogenannten Premiumeinblick in die Profile der suchenden Gastfamilien. Renate Straubes ursprüngliches Traumland war Australien. Als dann spontan ein Angebot dorthin kam, konnte sie aus privaten Gründen nicht so schnell weg. Dann kam der Kontakt aus Palma. Seit vier Wochen ist sie nun hier und passt bis Ende September auf den dreijährigen Noah und seine zweijährige Schwester auf.

Die Feuerprobe hat sie bestanden. Windpocken in der ersten Woche und keine Gast-Mutter in Reichweite, auf die sie spontan zurückgreifen konnte. Aber sie tat das, was eine Oma in so einer Situation eben tut: Sie nahm den Kleinen in den Arm, tröstete oder las etwas vor. "Das funktioniert immer ganz gut und irgendetwas fällt mir immer ein."

Sie spricht Deutsch mit den Kindern, da die Gastmutter möchte, dass ihre Kinder neben Spanisch auch Deutsch lernen. Sie selbst hat von ihrer Au-pair-Zeit in Deutschland profitiert und spricht die Sprache fliessend. "Manchmal bin ich geschafft und denke nur, wie schaffe ich das? Aber es gibt mir auch viel." Überfordert fühlt sie sich nicht.

Einen festen freien Tag hat sie nicht und abends alleine ausgehen ist schwierig, weil ihre Gastmutter bis nach Mitternacht im Café arbeitet. Was ein Hemmschuh ist, sich in das mallorquinische Leben zu stürzen - Renate spricht kein Spanisch. "Und in den ersten Wochen war ich abends immer so kaputt, da ging es da rein und da raus."

Au-pair-Gruppen, die sich bei Zwanzigjährigen schnell finden, gibt es für die Granny Au-pairs selten. Eigeninitiative ist nötig, um Kontakte zu knüpfen. Auch bei der Bezahlung gibt es Unterschiede zwischen den Jungen und Älteren. "Da die Idee für Ältere noch neu ist, gelten keine gesetzlichen Regeln", sagt Wolf-Dieter Günther von der Agentur 50 plus.

Die Agentur überlässt es dem Verhandlungsgeschick beider Seiten. Renate Straube erhält neben Essen und Logis ein Taschengeld von 30 Euro pro Woche. Sie ist zufrieden: "Es gefällt mir gut. Wenn ich die Kinder vom Kindergarten abhole und sie strahlend auf mich zukommen, das ist schon schön."


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