50PLUS – LIEBE

Kann eine Beziehung ohne Intimität überleben?

Eine 50plus-Ehe ist schwer gefährdet, wenn einer der Partner plötzlich keinen Sex mehr will.

Wie wichtig ist das Liebesleben in einer langfristigen Beziehung? Intimität ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis und eines, das sicherlich nicht mit dem Alter verschwindet. Über Erwartungen muss man sprechen. Das Probleme zu ignorieren ist nie eine Lösung.

Eine einseitige Aufkündigung des sexuellen Vertrages trifft eine Beziehung in ihrem Innersten. Ein Partner kann den Sex nicht für sich neu definieren, ohne darüber zu sprechen. Dieses einseitige Vorgehen zieht Chaos und Verzweiflung nach sich. Wie soll man weitermachen? Offene Ehe? Scheidung? Wie Geschwister weiter zusammenleben?

Sogar in der neuen Social-Media-Ära, in der Google auf jede Frage eine passende Antwort hat, ist das Zusammenleben nicht einfacher geworden. Im Gegenteil: Neue Formen wie die Polyamory machen es noch komplizierter. Vor allem junge Menschen beanspruchen für sich, gleichzeitig mehrere Partner zu lieben und auch Sex mit ihnen zu haben.

50plus kennen das von Schlüssel-Parties der 70er-Jahre, an denen Partner für eine Nacht ausgetauscht wurden. Der Unterschied zu heute: In der Polyamory beanspruchen die Partner tatsächlich Liebe - oder zumindest Verliebtheit für sich. Aber auch das perfekte Szenario der Monogamie wird noch immer wehmütig herbeigesehnt.

"Nicht fragen - nicht sagen"

Nicht anders als in den vergangenen Jahrzehnten. Es ist sehr anspruchsvoll und wird noch komplizierter, wenn die Ehepartner komplett andere Vorstellungen von ihrem Sexleben haben. Ein Weg, dieses Problem anzugehen, ist die "Nicht fragen - nicht sagen"-Regel. Weder die betrügende Ehefrau noch der betrügende Ehemann weiss, was in der Beziehung sexuell tatsächlich vorgeht.

Heute weiss man, dass der US-Präsident Franklin Roosevelt und seine Frau Eleanor ein solches Arrangement getroffen hatten. Bei Hillary und Bill Clinton wird es bisher nur vermutet.

Die gute Nachricht ist, dass man nicht in aller Stille leiden muss, wenn die eigenen Bedürfnisse nicht erfüllt werden. Es gibt Antworten, wenn auch nicht einfache. Am besten holt man sich zuerst Hilfe bei einem Therapeuten. Wenn der Partner nicht mit zur Therapie gehen will, geht man auf eigene Faust.

Was der Partner, der keinen mehr Sex will, nicht weiss: Sein Partner oder seine Partnerin hat ein Anrecht auf ein klärendes Gespräch. Wenn es nicht stattfindet, hat er oder sie allen Grund, die Beziehung aufzulösen. Die Gründe für eine Sex-Trennung sind vielfältig.

Nur das Neue ist aufregend

Es kann wegen einer Person ausserhalb der Ehe passieren, wegen Depression oder Erschöpfung. Darüber muss man sprechen. Dem muss man auf den Grund gehen. Natürlich gibt es körperliche Herausforderungen, die mit dem Alter mehr werden, aber wir reden hier nicht über erektile Dysfunktion oder die Schmerzen und Unannehmlichkeiten, die mit den Wechseljahren kommen können.

Sie können aber alle behandelt werden. Wir reden auch nicht über chronische Krankheiten wie Diabetes oder Herzerkrankungen oder psychische Erkrankungen und deren Behandlungen, die auch die Libido beeinflussen können: Diese Probleme können alle mit anderen Formen der Intimität gelöst werden.

Aber vielleicht ist der plötzliche Verlust an Interesse am Sex ein Zeichen für ein ganz anderes Problem in der Beziehung: Übermässiges Spielen oder ein Partner, der ein Problem mit Drogen- oder Alkohol hat. Eine Beziehung muss so oder so gut genug sein, um an sexuellen Fragen arbeiten zu können.

Es gibt auch den Vertrautheitsfaktor, der gegen die Eheleute arbeitet. Am Anfang einer Beziehung ist Sex neu und aufregend. Sex in einer langfristigen Beziehung muss neu definiert werden. Es geht mit der Zeit weniger um die Erforschung des aufregend Neuen, sondern mehr um die Erkundung der tief empfundenen Liebe. Es braucht so oder so viel Aufwand und Wille, die Ehe- und vielleicht auch Sex-Qualität aufrecht zu erhalten.